Oberhausen, Ebertbad, 2013

StartKonzerte: ArchivTina Dico im Ebertbad Oberhausen

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(Zuerst veröffentlicht auf www.jawl.net)

Gestern also Tina Dico. Zum – lasst mich zählen – siebten Mal live; diesmal wieder in der kleinen akustischen Zweierbesetzung, nur mit ihrem langjährigen Bühnen- und Partner Helgi Jónsson.
Tina und Helgi touren gerade unter dem Motto »On the other side«. Das ist zum einen ein Titel aus dem aktuellstem Album, zum anderen aber passt es aber auch sehr gut, denn sie haben die Songs befreit, sie spielen sie auf die andere Art und Weise. Befreit von Bandbegleitung und anderem Ballast und Tina sagt, sie sei froh, einige Stücke heute Abend so zeigen zu können, wie sie ganz am Anfang waren. Am Anfang, als sie entstanden und als sie nur ihre Stimme und ihre Gitarre waren.

Um zu erklären, wer Tina Dico ist, bemühe ich gerne den Vergleich, dass sie in ihrer Heimat so etwas ist wie Grönemeyer hier – nur mit guter Stimme, tollen Songs und gutem Aussehen. Aber sie können beide nicht tanzen, füllen mühelos die großen Hallen; ihre Alben gehen von Null auf eins und auch mal an U2 oder Coldplay vorbei und auch Roskilde hat sie schon gespielt. Ein Star also. Im Ebertbad spielte sie gestern Abend vor geschätzt – ich kann so etwas immer schlecht – 600 oder 700 Menschen, der wunderschöne Raum war ausverkauft. Zu Recht.

Wir hatten Glück: Wir waren spät, fanden aber sehr weit vorne noch Platz und mussten nicht lange warten. Tina kam alleine auf die Bühne, wie immer ernst, aber offensichtlich sehr glücklich über den schönen Raum und die intime, persönliche Atmosphäre. Man merkte auch schnell, da saßen Menschen, die waren nicht zufällig hier, die kannten und liebten die Musik.

Manchmal, wenn jemand alleine mit der Gitarre auf der Bühne steht, dann bleibt nicht viel übrig, dann merkt man, dass man auf der Platte nur ein paar nette Liedchen gemocht hat. Und dass man nun live nach drei Liedern Angst hat, dass der Abend jetzt belanglos wird und dass sich eine Gitarren-Schrumm-Schrumm-Ballade an die nächste reihen wird.
Aber Tina hat mehr zu bieten. Sie ist eine großartige Musikerin, sie ist nicht das typische Folk-Mädchen mit der Gitarre, sondern eine wirklich – entschuldigt das abgegriffene Wort: begnadete Songschreiberin. Jemand, der das Leben beobachtet und dann eine von den vielen, vielen Geschichten herauspicken und in einen Song verpacken kann. Songs, bei denen man dann auch gerne den Worten zuhören kann, Geschichten, die in diesen rohen Akustikversionen mit ganzer Kraft treffen.
Sie hat Balladen und Pop-Songs, sie kann tanzbar und laut genauso gut wie leise und verletzlich; sie weiß, was ihre Geschichten für eine musikalische Begleitung brauchen.

Nach ein paar Songs kam Helgi dazu, saß mal am Flügel, mal an der zweiten Gitarre, später spielte er auch Posaune. Und immer sang er mit ihr. Die Liebste neben mir sagte irgendwann: »Die beiden atmen ja zusammen« – und das beschreibt wirklich am besten das Erlebnis diese beiden zusammen singen zu hören. In den besten Momenten sah ich zwei Musiker die – ohne Begleitung und außerhalb jedes zählbaren Metrums – nur geleitet von ihrem Gefühl für das Lied, die Halle mit ihren Stimmen füllten als sänge dort vorne ein Mensch.

Ein Abend, der glücklich machte.

Aus Gründen hatte ich eine eMail auf meinem iPhone, die mit den schönen Worten »Tina is expecting you after the show« begann und so durfte ich nach der Zugabe an dem warnenden Schild »Nur für Künstler« vorbei gehen und die beiden noch treffen.
Es ist schwer zu beschreiben. Die seltsame Stimmung nach einem Konzert, der Cooldown zwischen Zugaben-Rufen und dem meist eher unglamouröse Raum hinter der Bühne, das ist mir zum Glück im kleinen ja als Musiker, als begleitender Techniker, als Backstagepass-tragender Freund bekannt. Und so war ich nicht überrascht über einen kleinen, sehr ruhigen, eher doofen Raum mit Sofa, Tisch und Süßigkeitentellern.
Überrascht war ich – obwohl ich nach vielen Konzerten, Interviews, Tour-Diaries und Vlog-Schnipseln eigentlich nichts anderes erwartet hatte – dennoch über die Freundlichkeit und die Aufmerksamkeit mit der ich in diesem eigentlich privaten Moment empfangen wurde. Was für wunderbare Menschen. Mange tak.

Ein Abend, der glücklich machte.

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Irgendwann 2009 sah ich im Fernsehen eine Übertragung eines Konzerts mit einer blonden Sängerin mit Gitarre und einem Posaunisten an der Seite. Ich bemerkte zwar sowohl die seltene Kombination als auch die tolle Stimme, zappte aber weiter. Was für ein Fehler. Kurz darauf trat Tina Dico bei „Inas Nacht” auf, ich suchte im Web nach mehr Musik, stieß auf das Roskilde-Video und wurde recht schnell zum Fan. Viele Konzerte und ein paar Jahre und Alben später entstand diese Website … mehr über diese Fan-Seiten lesen


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