Ein unvergleichbarer Balanceakt zwischen Wort und Klang

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Leipzig, am 24.04.2016 - Werk 2 der Kulturfabrik Leipzig e. V. - Halle A
Gehört und verfasst von Mathias Barth

Eine dunkle, irgendwie fremde Stille herrscht in einem alten, mit Backsteinmauern errichteten Fabrikgebäude, welches seit vielen Jahren Anlaufpunkt verschiedenster Künstler und deren Publikum darstellt. Diese ehemalige Halle eines Fabrikgeländes im Leipziger Süden ist kein Geheimtipp mehr unter Künstlern, sie ist Bestandteil eines bunten Vereinslebens in einem der vielen Zentren kultureller und schöpferischer Arbeit Leipzigs. Genau so bunt gestalten sich fast von selbst viele Straßen und Häuser rund um das Areal im Stadtteil Connewitz.

Ausgestattet mit einfachen Stuhlreihen, schwarz abgehangenen Ambiente, kleiner Bar und mittig erhöhter Bühne erfährt der Zuhörer zunächst nicht, was ihn erwartet. Mit relativ mattem Licht wird schon vor der Veranstaltung vermittelt, dass nicht der Saal die Kunst ist, sondern der Star auf der Bühne im Mittelpunkt sein wird. In ähnlichem Ambiente habe ich ein Konzert von Tina Dico noch nicht erlebt und so konnte ich mich wiederholt überraschen lassen.

Es gelingt Tina Dico, eine besondere Atmosphäre in einen perfekt gelungenen Abend zu verwandeln. Dass sie dabei auf die jahrelange Erfahrung ihrer Musiker zurückgreifen kann, ein Gespür für Text, Stimme und Melodie für angeboren erscheint und sie sich auf ihre Fans in der Musik- und Bachstadt Leipzig verlassen kann, weiß sie. Insofern war es wieder Zeit nach 2011 und vieler anderer Konzertorte hierher zu kommen und für mich quasi ein Heimspiel.

In einem weichen, speziellen Ton verwöhnt Tina ihre Fans nach Belieben, vergisst nie ihre kurzen und prägnanten Erklärungen rund um die Lieder sowie die eigenen Weisheiten und lässt keine Minute in der Halle die Seele verschwinden. Eingebettet in ein sanftes Licht- und Klangensemble steht sie fast ausschließlich in Bühnenmitte, singt unter hervorragender Begleitung die neuen Lieder des Whisper-Albums, schlägt eigentlich rund um ihre Karriere jede Facette auf und vergisst einfach, dass diese Halle eher von ihr vermuteten Rockmusikern aufgesucht wird.

Mit Liedern wie „Stains“, „Craftsmanship And Poetry“, „In Love And War“ sowie „Head Shop“ gab es eine stilvolle Erinnerungstour quer durch vergangene Zeiten mit Titeln aus Tinas Feder. Bemerkenswert wies die mit ihrer Familie im großen Bus reisende Tina darauf hin, auf einen vorzüglichen Inspirator zurückgreifen zu können, nämlich ihren Ehemann Helgi Jonsson. Selbst im weiten, dunklen, gegensätzlichen Norden des Atlantiks kommen beiden Musikern soviel Ideen, dass auch Helgi wieder mit neuen Liedern und Instrumenten aufwartet. Vorgestellt beim Konzert bedankt sich der sympathische Isländer mit ein paar deutschen Worten: „Ihr seid der Wahnsinn“.

Auch eine Pause im Konzert ließ die Verbindung zwischen Bühne und Zuhörer nicht abbrechen, im Gegenteil, vorderste Plätze am Rand wurden zum Mitsingen und Mitklatschen bis zum Ende eingenommen. Eine mehr als bunte Mischung von Akustik, Gefühl und Melancholie lässt die Fans mit geschlossenen Augen singen, auf dem Stuhl wippen oder sogar tanzen, was ehrlicherweise bei
vielen Titeln relativ schwierig ist. Nur heute nicht.

Richtig gut kann Tina auch mit Publikum, nämlich dann, wenn Hits wie „No Time To Sleep“ oder „Count To Ten“ den Einsätzen folgend zum wahren Gänsehautfeeling verhelfen. Und die neue, unbekanntere Single „Spark“, die schon bei Inas Nacht bemerkenswert aufgeführt wurde, hat gänzlich die Halle verschlungen, um dauerhaft gemocht zu werden. Eine mehrteilige Zugabe beendete eine über zwei Stunden dauernde Klangreise, die wie ich fand ihre Beste war, die ich je live hörte. Diese neue Kombination aus Musik und Werk 2 hat Tina Dico mit Bestnoten bestanden.

Applaus.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen. Danke Tina.

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Foto(s): Mathias Barth

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Irgendwann 2009 sah ich im Fernsehen eine Übertragung eines Konzerts mit einer blonden Sängerin mit Gitarre und einem Posaunisten an der Seite. Ich bemerkte zwar sowohl die seltene Kombination als auch die tolle Stimme, zappte aber weiter. Was für ein Fehler. Kurz darauf trat Tina Dico bei „Inas Nacht” auf, ich suchte im Web nach mehr Musik, stieß auf das Roskilde-Video und wurde recht schnell zum Fan. Viele Konzerte und ein paar Jahre und Alben später entstand diese Website … mehr über diese Fan-Seiten lesen


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